• Donnerstag, 27. Februar 2025 22:23

Sitzung 107

Anarath
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Nur mühevoll gelang es uns in den Runenkreisen Platz zu finden. Die Orks kehrten konstant wieder und versuchten alles unser Vorhaben zu unterbinden. Zwischendrin verlor ich das Bewusstsein, doch trotz allem gelang es die Aktivierung zu vollziehen. Zu unserer Überraschung öffneten sich die Portale, so dass wir hindurch schlüpfen konnten. Ich hoffte nur, dass Calas nicht wieder stecken bleiben würde. Diesmal wäre dies noch fataler gewesen. Doch meine Sorgen blieben unbegründet.

Ziemlich angeschlagen atmeten wir erst einmal tief durch, als im nachfolgenden Raum uns nicht sofort etwas ansprang. Es gab vier höher gelegene Bereiche, einen in jeder Ecke des Raumes. In der Mitte stand eine hohe Säule. Auf ihr waren Schriftzeichen oder Runen, die wir aber nicht sofort zu lesen vermochten. Calas und ich starteten jeweils einen Zauber, der ein wenig Vorbereitung benötigte, bis er aktiv wurde. Dass wir beide in der Lage waren den gleichen Zauber zu wirken war wahrlich Zufall. Jedoch stolperte der Drachengeborene konstant über seine eigene Zunge, was es schwer machte mich auf meinen Spruch zu konzentrieren. Ganz zu schweigen von dem Radau, den Krathus und Garret stets veranstalteten …

Nachdem wir fertig waren, verifizierten wir die Inschrift. Sie stimmte mich nicht wirklich glücklich. „Welcome to the room of death and suffering. Only the dead or dying may leave.“

Nebenher wurden wir von den anderen auf die merkwürdig aussehen Wände aufmerksam gemacht. Dies war kein Stein. Eher wirkte es schuppenartig und aus gewissen Ritzen trat scheinbar Blut aus, wenn jemand in den Ecken stand. Wobei die Person selbst auf unbekannte Art Schaden erlitt. Krathus hatte dies in seiner typisch unbedachten Weise getestet.

Ausgehend von der Inschrift und der Wirkung in den Ecken diskutierten wir was getan werden müsste, um den Raum verlassen zu können. Ob es an meiner körperlichen oder aktuell geistigen Verfassung lag, vermochte ich nicht zu sagen, aber es erschien mir, als gäbe es nur einen Weg: Jemand müsste sich opfern. Und so bot ich mich an. Calas musste seine Familie finden und mein Verantwortungsgefühl ließ es nicht zu es Krathus machen zu lassen. Blieben noch Garret und ich. Mein Gesundheitszustand war sowieso schon niedrig.

Doch Calas intervenierte. Laut seiner Annahme mochte es wie mit dem Kristall sein. Wenn wir uns ausruhten und dann Gesundheit opferten, kämen wir gegebenenfalls nach einiger Zeit frei. Ich war unsicher, aber zumindest wäre es besser als zu sterben. So rasteten wir zunächst.

Als wir uns besser fühlten begannen wir einen Plan zu ersinnen mit dem gestellten Rätsel umzugehen. Wir stellten uns alle auf je eine der Erhebungen. Je länger wir den Schmerz erduldeten, desto schwächer wurden wir und mehr und mehr Blut floss aus den Wänden hinab. Von Tropfen, über Rinnsale, hin zu einem Schwall. Irgendwann wurde mir schwarz vor den Augen. Die letzte Wahrnehmung war der näherkommende Boden.

Irgendwann schlug ich die Augen erneut auf. Jedoch war ich unfähig mich zu bewegen. Aus dem Augenwinkel vernahm ich lediglich einen von uns in einem Käfig, wie dem meinen und scheinbar ebenso regungslos. Die Szenerie war kaum weniger positiv. Eine große Treppe führte mittig hinauf zu einer gigantischen Statue einer Kreatur, deren Maul weit aufgerissen war. Um uns herum waberte eine Art Nebel. So etwas wie Kultisten waren im Ram verteilt. Es handelte sich um Yuan-ti in Kapuzenroben. Einige waren mittig auf einer Art Tribüne versammelt, wohingegen ein paar andere Personen aus den überall an den Wänden befindlichen Käfigen herausholten, die Treppe hinaufführten und schließlich in das Maul der Statue warfen. Woraufhin kurz darauf neue Opfer in den Käfigen erschienen. Sie „fielen“ von oben herab und landeten in einem Käfig.

Langsam machte sich Panik breit. Diese Paralyse setzte dem Schrecken wirklich die Krone auf. Was war dies nur für ein perverses Spiel!?

Dann sah ich, wie sie Krathus die Treppe hochführen. Ich versuchte mit aller Macht mich zu bewegen, zu reagieren. Doch jedweder Versuch schlug fehl. Es folgten Calas und dann Garret. Waren sie etwa alle tot?

Als die Kultisten nunmehr bei mir angekommen waren, fiel mir das auffällige Amulett ins Auge, welches sie trugen. Verzweifelt versuchte ich mich eines mit meiner Magie zu bemächtigen. Es gelang mir beinahe es in meinen Besitz zu bringen, mich eventuell wieder bewegen zu können und diese geschuppten Bastarde mit in die neun Höllen zu nehmen. Doch wurden meine Bemühungen jäh zunichte gemacht. Obendrein wollten sie wohl kein Risiko eingehen, woraufhin mich etwas am Kopf traf und ich bewusstlos wurde.

Ich erwachte auf einer steinernen Wendeltreppe umgeben von den anderen. Dieses Schwarz werden vor den Augen wurde allmählich so etwas wie ein Sport … ein höchst unzufriedener noch dazu.

Positiv verblieb die Tatsache, dass wir scheinbar an unserem Ausgangspunkt angekommen waren. War dies alles eine merkwürdige Form der Halluzination gewesen? Meine schmerzenden Glieder waren da anderer Ansicht. Und wo waren Shadar und Lia? Hatte Cenereth entfliehen können? Calas und Garret wollten kurzerhand an die Oberfläche, um dort nachzugucken. Krathus und mich trieb es nach. Ob ein Aufteilen jetzt wirklich sinnvoll gewesen sein mochte war unklar, doch hätte man uns umbringen wollen, dann wären wir es nun auch.

Cenereth’s Arbeitszimmer war völlig verwüstet worden. Es erschien, als habe jemand versucht voller Wut und sehr gewissenhaft alles zu vernichten, insbesondere die hier einst vorhandenen Bücher. Klitzeklein waren sie zerfetzt worden. In einer Ecke saß Lia. Sie wirkte kaum bei Sinnen. Die einstige arrogante Erhabenheit war den in die Leere starrenden Augen und einem Sabberstreifen aus dem Mundwinkel gewichen. Einen Dämpfer hatte sie sicher verdient, aber das sah schlimm aus und fühlte sich falsch an. Krathus hatte derweil einen Brief entdeckt.

Nachdem Calas und Garret zu uns stießen, erzählten sie zunächst was sie oben vorgefunden hatten. Cenereth war tot. Und sein Leichnam in Drachenfirm war als Statement weit aufgespannt und aufgeschlitzt zurückgelassen worden. So viel zu diesem „Alliierten“. Wenn diese Drachen nicht so ein unfassbares Ego gehabt hätten, wären Dinge gegebenenfalls anders gelaufen.

Es war Zeit für den Brief geworden. Shadar machte sich in diesem einen Spaß daraus uns zu verballhornen. Darüber zu schwadronieren was er plante und welches Ergebnis wir vorfinden würden … mehr als 50 Jahre später. Doch in diesem Punkt irrte er. Dank Tanaos Ayumu hatten wir den Kubus in viel kürzerer Zeit bestritten. Ausgehend vom schlechten körperlichen Zustand Lia’s und dem Verwesungsgrad Cenreth’s mussten es zwischen zwei und drei Wochen gewesen sein, die wir verpasst hatten. Gleichermaßen offerierte er einen Blick in die Zukunft, in der wir uns laut seiner Einschätzung hätten befinden sollen. In dieser würden die Sardak und gegebenenfalls sogar der Nachkomme Harkis’ über das einstige Zoica herrschen. Shadar selber wäre nun ein Gott und hätte diese Gefilde hinter sich gelassen.

Es schien zumindest, als ob er sich in der Tat nicht um irgendwas weltliches scheren würde. Mit Ausnahme der Nexi, um seinen Plan zu verwirklichen. Auch wurde klar, dass er unlängst wusste, wo der letzte Nexus war. Doch dieser musste auch aufgeladen werden und mit dem Wiederaufbau der Akademie würde er in den kommenden Jahren oder Jahrzehnten entsprechend an den Magienutzern der Region vollsaugen können. Diese Erkenntnis traf heftig. So gesehen hatte Marco mit seiner Einstellung zur Akademie auf Umwegen einen legitimen Grund angeführt, ohne den größeren Zusammenhang zu kennen. Es war trotz allem nicht weniger frustrierend.

Zu guter Letzt kam etwas überraschend eine Einladung an Krathus sich nunmehr seinen Anhängern wieder anschließen zu dürfen. Wobei er dann auch in seinen Gebeten an den neuen Gott Shadar Logoth einbetten sollte, woher diese grüne Energiekugel an seinem Banner stammte.

Alles in allem hätte es deutlich schlimmer kommen können. Wir waren dem Zeitplan dieses Drachen weit voraus. Und wir hatten einen Vorteil: Zu diesem Zeitpunkt wusste er nicht, dass wir wieder hier waren. So nahmen wir zumindest an.

Um genauer zu verstehen wieviel Zeit vergangen war, stellte ich eine anonyme Anfrage im Kommunikationsbuch. Während Calas und Garret auch nochmal nachdrücklich versicherten, dass der Teleportturm wohl noch stehen würde. Was immer wir vor hatten, wir kämen zumindest schnell von hier weg.

Während Krathus fast schon überschwänglich freudig seiner Einladung entgegen blickte – was mich wieder einmal an seinem Verständnis für die Situation zweifeln ließ –, zeigte sich Calas indes verzweifelt. Die verstrichenen Wochen schienen sich schwer auf sein Gemüt zu legen, denn es war Zeit, die ihm fehlte, seine Familie zu finden. Vieles mochte inzwischen passiert sein. Notdürftig versuchte ich ihn aufzubauen und Hoffnung zu geben. Aber es waren doch nur Worte.

Aufgrund Von Lia’s schlechtem Zustand und da wir sie keinesfalls hinterlassen konnten, versuchte ich ihr etwas zu trinken zukommen zu lassen und sie dann erst einmal hinzulegen. Dabei fiel ein Buch hinab, das sich zwischen ihr und der Wand befunden hatte. Es erschien höchst seltsam, dass dieses Buchband so einfach die kontrollierte Zerstörung des Innenraumes überstanden haben sollte. Der Titel war eingängig. „The Adventures of Princess Therion“ prangte auf dem Einband in drakonischer Schrift. Ebenso eingängig war der Inhalt … welcher aus leeren Seiten bestand. Das Buch selber war scheinbar magischer Natur und irgendwie überkam mich bei der Analyse die Begrifflichkeit des „Weltenbuches“. Doch mit dieser Terminologie konnte ich wiederum nichts anfangen. Die Seiten waren nicht beschreibbar, Tinte perlte einfach ab und tropfte hinab. Gleichermaßen wurde klar, dass ein Zauber auf Lia lag.

In einem Anflug von, für seine Verhältnisse, überragender Intelligenz überraschte Krathus mit dem Vorschlag sie einfach mal Qwe vorzustellen. Das vermochte in der Tat eine Möglichkeit zu sein ihr zu helfen. Hoffend, dass der Zauber keine bleibenden Schäden hinterlassen würde.

Da wir unseren Vorteil in den Augen Shadar’s „aus dem Spiel genommen zu sein“ beibehalten wollten, entschieden wir erst einmal verdeckt zu operieren. Da wir bei der Nutzung des Teleportzirkels aber Aufmerksamkeit erzeugen würden, hieß dies bis zum Abend zu warten. Es gab uns Gelegenheit zu verschnaufen, Lia ein klein wenig aufzupäppeln und uns auszutauschen. Calas nutzte dies uns darüber zu informieren, dass unsere gemeinsame Zeit in Kürze zu Ende sei. Er machte sich immense Sorgen um seine Familie. Obgleich er die Aufgabe, der wir uns verschrieben hatten, völlig verstand, so war dies für ihn dennoch von höherer Priorität in diesem Augenblick. Wer hätte das besser verstanden als ich …

Ich musste aber zugeben, dass er ein zuverlässiger Verbündeter war und ich, obgleich des ruppigen Starts, eine freundschaftliche Verbindung empfand. So sagte ich ihm jedwede Unterstützung zu, die er noch benötigte, um sich ab Zoica auf den Weg machen zu können. Und ich hoffte aus ganzem Herzen, dass seine Suche Erfolg haben würde.

Irgendwann am Abend kam dann auch eine Antwort vom Zinnsoldaten im Buch. Es war in der Tat so viel Zeit vergangen, wie wir geschätzt hatten. Mehr noch starrte ich ob der folgenden Textzeilen schlicht ungläubig drein. Es erklärte Ava’s baldige Rückkehr nach Zoica und ob wer auch immer so naiv nach der Zeit gefragt hatte wüsste, wo sich die Gruppe um Garret befände. Um weiter unsere Rückkehr zu verschleiern schrieb ich mit links und verwies darauf, dass es dieser Personen halber etwas gegen Mitternacht im Compound zu klären galt.

Als uns die Nacht umfing brachen wir schließlich auf. Calas trug Lia. Zoica erwartete uns. Einen Teleport später standen wir an unserem Bestimmungsort. Dies war ungewöhnlich, denn eigentlich erwarteten wir zu fallen. Scheinbar hatte es aber Baumaßnahmen gegeben, die dazu führten, dass die Teleportausgangspunkte nunmehr begehbar waren. Kurzerhand machte ich uns unsichtbar und wir schlichen aus dem Gebäude an der einzigen Wache vorbei.

Chrylax Anwesen war das Ziel, denn hier vermuteten wir weiterhin Qwe. Dort angekommen zeigte sich, dass Melody ihre Unterkunft im Garten wohl geräumt hatte. Ein Grinsen lag mir auf den Lippen. Das Date war wohl gut verlaufen. Qwe war nirgends zu sehen, doch aus dem Keller vernahmen wir dann Geräusche. Da wir uns nicht vollends zu erkennen geben wollten ging Calas alleine vor. Wie gehabt war Chrylax überaus freundlich in seiner Begrüßung. Zumindest hatte er wohl ein weiteres Kommunikationsbuch für Calas.

Als dieser wieder zu uns stieß folgte kurz darauf auch Qwe, der unten mit Chrylax gearbeitet hatte. Das war genau, was wir nicht gebraucht hatten. Die Unsichtbarkeit brach und plötzlich schüttelte Lia ihren vegetativen Zustand ab. Dem Beholder vermittelten wir eindringlich sich umzudrehen, wessen er auch nachkam. Lia war jedoch außer sich. Sie begann fast brüllend nach dem Buch zu fordern. Alle Versuche sie zu beruhigen waren ergebnislos. Für eine dahinvegetierende hatte sie zudem noch eine Menge Kraft übrig behalten, als sie mich schlicht packe und vom Boden anhob. Sie zu bitten ruhig zu sein zeigte etwa so viel Wirkung, wie dem Regen zu sagen nicht nass zu sein.

Sie entriss mir das Buch so wie meine Hand es aus dem Rucksack zog. Dann öffnete sie es und … wurde von ihm eingesaugt. Gleich darauf spuckte es sie wieder aus. Nun schien sie etwas ruhiger und erleichtert. Sie plapperte etwas davon, dass der Tesserakt ihres Vaters noch da sei und es somit Hoffnung gäbe.